Lineare Algebra I · Wintersemester 2026/27

Lineare Algebra I
zum Anfassen.

Bevor es um Vektoren und Matrizen geht, kommt die Sprache, in der die ganze Vorlesung geschrieben ist: Logik, Mengen, Relationen und Abbildungen. Jedes Kapitel dreifach: Idee lesen, Skizze anfassen, Wissen prüfen.

Die Seite wächst mit dem Semester: Kapitel für Kapitel, nummeriert wie die Paragraphen des Vorlesungsskripts. Bisher: Aussagenlogik, Mengenlehre, Relationen sowie Abbildungen und Mächtigkeiten. Klausur laut Kursseite: voraussichtlich Donnerstag, 11. Februar 2027, 10–12 Uhr.

ϕ ψ ϕ ⇒ ψ w w w w f f f w w f f w nur hier falsch Prämisse falsch: ex falso quodlibet Wahrheitstafel: alle Fälle, keine Halbwahrheiten A B M A ∩ B x ∈ A ∩ B ⇔ x ∈ A ∧ x ∈ B 1 2 3 4 6 12 a | b Weg nach oben 2 und 3: nicht vergleichbar Halbordnung, aber keine Totalordnung XY f f⁻¹
Skizze · Kapitel 1Aussagenlogik: Verknüpfungen & Wahrheitstafeln

Goldener Faden

Der goldene Faden durch das Semester nach dem Plan der Vorlesung – golden ist schon da, hell folgt.

1Aussagenlogik: Verknüpfungen & Wahrheitstafeln 2Mengenlehre, All- & Existenzaussagen 3Relationen: Ordnungen & Äquivalenzrelationen 4Abbildungen & Mächtigkeiten ·Gruppen, Ringe, Körper ·Vektorräume & lineare Abbildungen ·Matrizen & Gauß-Verfahren ·Basis, Dimension, Koordinaten ·Skalarprodukt & Determinanten ·Eigenwerte & Eigenvektoren

Altklausuren

Aus Datenschutzgründen dürfen die Altklausuren hier nicht veröffentlicht werden. LMU-Studierende haben jedoch mit ihrer LMU-Kennung Zugriff auf die passwortgeschützte Klausurensammlung der Fachschaft (GAF).

Zu den Altklausuren (GAF)

Verstehen & Üben

Der Lernpfad

Zu jedem Kapitel dieselben drei Schritte: die Idee in einer Verständnisbox lesen, eine Skizze mit Reglern anfassen und das Wissen in einem kurzen Check prüfen – mit sofortiger Erklärung, warum eine Antwort stimmt oder nicht.

Dein Lernpfad

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Klausurmodus

Zehn Fragen, die Uhr läuft

Zufällig gemischt aus allen freigeschalteten Kapiteln. Kein Feedback zwischendurch – die Auswertung mit Erklärungen kommt am Ende, wie in der Klausur.

Kapitel 1

Aussagenlogik: Verknüpfungen & Wahrheitstafeln

Die Sprache, in der jeder Satz der Vorlesung geschrieben ist: Aussagen, ihre Wahrheitswerte und die fünf Verknüpfungen \(\neg, \wedge, \vee, \Rightarrow, \Leftrightarrow\) – und warum Tautologien die Bausteine jedes Beweises sind.

IdeeEine Aussage ist wahr oder falsch – sonst nichts

Eine Aussage ist ein Satz, dem man sinnvoll und objektiv einen Wahrheitswert zuordnen kann: wahr (w) oder falsch (f). \(1 + 1 = 2\) ist eine wahre, \(1 + 1 = 3\) eine falsche Aussage. Keine Aussagen sind dagegen Aufforderungen, Terme wie \(x^3 - 3x^2 - 3x + 1\) oder vage Sätze wie „\(10^{100}\) ist eine große Zahl“.

Ein Satz wie \(a^2 + b^2 = c^2\) ist ein Aussagenschema: Er wird erst zur Aussage, wenn man die Parameter \(a, b, c\) belegt. Daraus folgt die wichtigste Schreibregel überhaupt: Keine Bezeichnung benutzen, die vorher nicht festgelegt wurde.

Aussagen werden mit \(\neg\) (nicht), \(\wedge\) (und), \(\vee\) (oder), \(\Rightarrow\) (daraus folgt) und \(\Leftrightarrow\) (genau dann, wenn) verknüpft. Der Wahrheitswert des Ganzen hängt nur von den Wahrheitswerten der Teile ab – und genau das hält eine Wahrheitstafel fest.

Zum Anfassen

Das Wahrheitstafel-Labor

Wähle eine Vorlage oder tippe eine eigene Formel ein. Das Labor liest sie nach den Bindungsregeln der Vorlesung und legt für jede Teilformel eine Spalte an – die Ergebnisspalte füllst du selbst aus und lässt sie prüfen. Ist es eine Tautologie?

Typischer Fehler\(\phi \Rightarrow \psi\) ist nicht dasselbe wie \(\psi \Rightarrow \phi\)

\(x = 3 \Rightarrow x^2 = 9\) gilt für alle reellen \(x\), die Umkehrung \(x^2 = 9 \Rightarrow x = 3\) aber nicht – für \(x = -3\) ist die Prämisse wahr und die Konklusion falsch. Wer beim Umformen von \((x - 4)^2 = 9\) nur auf \(x - 4 = 3\) schließt, verliert die Lösung \(x = 1\). Hinreichend (\(\phi\) für \(\psi\)) und notwendig (\(\psi\) für \(\phi\)) sind zwei verschiedene Dinge.

Zweiter Stolperstein: Eine Implikation braucht keinen inhaltlichen Zusammenhang. Ist die Prämisse falsch, ist \(\phi \Rightarrow \psi\) automatisch wahr.

MerkeTautologien sind die Bausteine von Beweisen

Eine Tautologie ist immer wahr, ganz egal, wie die Teilaussagen belegt sind. \(\psi\) folgt durch einen logischen Schluss aus \(\phi_1, \dots, \phi_n\), wenn \(\phi_1 \wedge \dots \wedge \phi_n \Rightarrow \psi\) eine Tautologie ist. Die vier wichtigsten:

  • Modus ponens: \(\phi \wedge (\phi \Rightarrow \psi) \Rightarrow \psi\)
  • Kontraposition: \((\phi \Rightarrow \psi) \Leftrightarrow (\neg \psi \Rightarrow \neg \phi)\)
  • Widerspruch: \((\neg \phi \Rightarrow \chi \wedge \neg \chi) \Rightarrow \phi\)
  • Ringschluss: aus \(\phi \Rightarrow \chi\), \(\chi \Rightarrow \psi\), \(\psi \Rightarrow \phi\) folgt, dass alle drei äquivalent sind.

Bindungsstärke, von stark nach schwach: \(\neg\), \(\wedge\), \(\vee\), \(\Rightarrow\), \(\Leftrightarrow\). Im Zweifel: Klammern setzen.

InformatikLogik steckt in jeder if-Abfrage

Eine Bedingung wie x > 0 and not fertig ist nichts anderes als \(\phi \wedge \neg \psi\). Wer Bedingungen vereinfacht, rechnet mit Tautologien: Nach De Morgan ist not (a and b) dasselbe wie not a or not b, und eine Implikation \(\phi \Rightarrow \psi\) schreibt man im Code als not phi or psi – etwa bei Vorbedingungen und assert.

Wahrheitstafeln sind das systematische Testen aller Fälle. In der Hardware werden aus \(\wedge, \vee, \neg\) Logikgatter, und SAT-Solver entscheiden, ob eine Formel mit tausenden Variablen erfüllbar ist – ein Werkzeug der Softwareverifikation.

Wissens-Check

8 Fragen, gemischt. Nach jeder Antwort erfährst du, warum.

Kapitel 2

Mengenlehre, All- & Existenzaussagen

Fast jedes mathematische Objekt ist eine Menge. Hier geht es um Elemente und Teilmengen, die Mengenoperationen – und um die Quantoren \(\forall\) und \(\exists\), mit denen fast jeder Satz der Vorlesung formuliert ist.

IdeeEine Menge ist durch ihre Elemente bestimmt

Nach Cantor ist eine Menge eine Zusammenfassung wohlunterschiedener Objekte – ihrer Elemente. Zwei Mengen sind genau dann gleich, wenn sie dieselben Elemente haben; Reihenfolge und Wiederholung spielen keine Rolle. \(x \in M\) heißt „\(x\) ist Element von \(M\)“, \(M \subseteq N\) heißt „jedes Element von \(M\) liegt auch in \(N\)“.

Mengen beschreibt man durch Aufzählen, \(\{1, 2, \dots, 7\}\), oder durch eine definierende Bedingung: \(\{c \in M \mid \phi(c)\}\) enthält genau die \(c \in M\), für die \(\phi(c)\) wahr ist. So übersetzen sich die Mengenoperationen direkt in Logik:

\(x \in A \cap B \Leftrightarrow x \in A \wedge x \in B\)  ·  \(x \in A \cup B \Leftrightarrow x \in A \vee x \in B\)  ·  \(x \in A \setminus B \Leftrightarrow x \in A \wedge x \notin B\)

Dazu kommen das kartesische Produkt \(A \times B = \{(a, b) \mid a \in A \wedge b \in B\}\) und die Potenzmenge \(\mathcal{P}(A) = \{B \mid B \subseteq A\}\).

Zum Anfassen

Mengen aus Bedingungen – im Venn-Diagramm

Die Grundmenge ist \(M = \{1, \dots, 12\}\). Wähle für \(A\) und \(B\) je eine definierende Bedingung und eine Operation. Jede Zahl landet in ihrem Bereich, die Ergebnismenge leuchtet golden – samt logischer Übersetzung.

IdeeFür alle und es gibt

Ist \(\phi(x)\) ein Aussagenschema, entstehen mit den Quantoren zwei Aussagen: \(\forall x \in M : \phi(x)\) heißt, \(\phi(c)\) ist für jedes \(c \in M\) wahr, also \(\{c \in M \mid \phi(c)\} = M\). \(\exists x \in M : \phi(x)\) heißt, \(\phi(c)\) ist für mindestens ein \(c \in M\) wahr, also \(\{c \in M \mid \phi(c)\} \neq \emptyset\).

Daraus ergeben sich die Beweisstrategien: Für „\(\forall\)“ beginnt man mit „Sei \(c \in M\).“ und benutzt danach nur, dass \(c\) in \(M\) liegt. Für „\(\exists\)“ genügt ein einziger, konkret angegebener Zeuge. Beim Verneinen tauschen die Quantoren die Rollen: \(\neg \forall x \in M : \phi(x) \Leftrightarrow \exists x \in M : \neg \phi(x)\) und \(\neg \exists x \in M : \phi(x) \Leftrightarrow \forall x \in M : \neg \phi(x)\).

Zum Anfassen

Auf die Reihenfolge der Quantoren kommt es an

Jeder Punkt \((x, y)\) mit \(x, y \in M = \{1, \dots, 6\}\) ist golden, wenn \(\phi(x, y)\) wahr ist. Wähle eine Bedingung und tippe eine der Aussagen an – das Gitter zeigt dir den Zeugen oder das Gegenbeispiel.

Typischer FehlerElement oder Teilmenge? Und: \(\forall\exists\) ist nicht \(\exists\forall\)

Für \(A = \{1, 2, 3\}\) ist \(\{1\} \in \mathcal{P}(A)\), aber \(1 \notin \mathcal{P}(A)\) – die Elemente der Potenzmenge sind selbst Mengen. Ebenso ist \(1 \in A\), aber \(\{1\} \subseteq A\). Klingt haarspalterisch, wird aber später bei komplizierteren Konstruktionen entscheidend.

\(\forall y \in \mathbb{R} : \exists x \in \mathbb{R} : x < y\) ist wahr (nimm \(x = y - 1\)), \(\exists x \in \mathbb{R} : \forall y \in \mathbb{R} : x < y\) ist falsch – es gibt keine kleinste reelle Zahl. Beim ersten darf \(x\) von \(y\) abhängen, beim zweiten muss ein \(x\) für alle \(y\) gleichzeitig passen.

MerkeMengengleichheit in zwei Richtungen – und vollständige Induktion

\(M = N\) zeigt man meist in zwei Schritten: „Sei \(x \in M\) …, also \(x \in N\)“ liefert \(M \subseteq N\), die Rückrichtung \(N \subseteq M\). Eine Kette von Äquivalenzumformungen geht auch – dann muss aber jeder Schritt in beide Richtungen stimmen.

Vollständige Induktion beweist \(\forall n \in \mathbb{N} : \phi(n)\) in zwei Teilen: Induktionsanfang \(\phi(1)\) und Induktionsschritt \(\phi(n) \Rightarrow \phi(n+1)\) für beliebiges \(n \in \mathbb{N}\). Klassiker: \(1 + 2 + \dots + n = \frac12 n(n+1)\). Mach im Schritt sichtbar, wo du die Induktionsvoraussetzung \(\phi(n)\) benutzt.

InformatikMengen und Quantoren im Code

In Python sind Mengen ein eingebauter Datentyp: A & B, A | B und A - B sind Durchschnitt, Vereinigung und Differenz. Eine Menge mit definierender Bedingung \(\{x \in M \mid \phi(x)\}\) ist eine Mengen-Abstraktion {x for x in M if phi(x)} – oder eine SQL-Abfrage mit WHERE.

Die Quantoren heißen dort all(...) und any(...), und die Verneinungsregel gilt eins zu eins: not all(p(x) for x in M) ist dasselbe wie any(not p(x) for x in M). Das kartesische Produkt entspricht einem Join, und die \(2^n\) Teilmengen einer \(n\)-elementigen Menge sind genau die \(n\)-stelligen Bitmasken.

Wissens-Check

8 Fragen, gemischt. Nach jeder Antwort erfährst du, warum.

Kapitel 3

Relationen: Ordnungen & Äquivalenzrelationen

Eine Relation ist nichts als eine Teilmenge von \(X \times X\). Mit vier Eigenschaften wird daraus entweder eine Ordnung, mit der man vergleicht, oder eine Äquivalenzrelation, mit der man eine Menge in Klassen zerlegt.

IdeeEine Relation ist eine Teilmenge – und vier Eigenschaften entscheiden

Eine Relation auf \(X\) ist eine Teilmenge \(R \subseteq X \times X\); statt \((x, y) \in R\) schreibt man \(xRy\). Bei endlichem \(X\) passt sie in eine Tabelle: ein Kreuz an der Stelle \((x, y)\), wenn \(xRy\) gilt. Entscheidend sind vier Eigenschaften:

  • reflexiv: \(xRx\) für alle \(x\) – die ganze Diagonale ist angekreuzt.
  • symmetrisch: \(xRy \Rightarrow yRx\) – die Tabelle ist spiegelbildlich zur Diagonale.
  • anti-symmetrisch: \(xRy \wedge yRx \Rightarrow x = y\) – außerhalb der Diagonale nie beide Kreuze.
  • transitiv: \(xRy \wedge yRz \Rightarrow xRz\).

Reflexiv, anti-symmetrisch und transitiv ergibt eine Halbordnung; sind zusätzlich je zwei Elemente vergleichbar, eine Totalordnung. Reflexiv, symmetrisch und transitiv ergibt eine Äquivalenzrelation.

Zum Anfassen

Das Relationen-Labor

Die Tabelle zeigt eine Relation auf \(X = \{1, \dots, 6\}\): Ein goldenes Feld in Zeile \(x\), Spalte \(y\) bedeutet \(xRy\). Wähle eine Vorlage oder schalte Felder per Klick an und aus. Das Labor prüft alle vier Eigenschaften, nennt Gegenbeispiele und zeigt bei Äquivalenzrelationen die Klassen.

IdeeÄquivalenzrelationen zerlegen eine Menge

Ist \(\sim\) eine Äquivalenzrelation, so heißt \([x]_\sim = \{y \in X \mid x \sim y\}\) die Äquivalenzklasse von \(x\). Zwei Klassen sind entweder gleich oder disjunkt, und jedes Element liegt in seiner eigenen Klasse – die Klassen bilden also eine Zerlegung von \(X\). Umgekehrt liefert jede Zerlegung eine Äquivalenzrelation: „liegen in derselben Teilmenge“.

Das wichtigste Beispiel ist die Kongruenz modulo \(n\): \(a \equiv_n b \Leftrightarrow n \mid (a - b)\). Ihre Klassen sind die Restklassen \(a + n\mathbb{Z}\), und \(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z} = \{\bar 0, \bar 1, \dots, \overline{n-1}\}\) hat genau \(n\) Elemente.

Typischer FehlerAnti-symmetrisch ist nicht das Gegenteil von symmetrisch

Eine Relation kann beides sein (die Gleichheit \(=\)) oder keins von beiden. „Nicht symmetrisch“ heißt nur: Es gibt ein Paar mit \(xRy\), aber nicht \(yRx\). Auch Transitivität ist leicht übersehen: Sie muss für alle Ketten \(xRy\), \(yRz\) gelten, auch für \(x = z\). Ein einziges Gegenbeispiel genügt, um eine Eigenschaft zu widerlegen.

MerkeOrdnung vergleicht, Äquivalenz sortiert

Halbordnung = reflexiv + anti-symmetrisch + transitiv. Beispiele: \(\le\) auf \(\mathbb{R}\) (sogar total), die Teilerrelation auf \(\mathbb{N}\), \(\subseteq\) auf \(\mathcal{P}(X)\).

Äquivalenzrelation = reflexiv + symmetrisch + transitiv. Ihre Klassen zerlegen \(X\); es gilt \(a \equiv_n b \Leftrightarrow a + n\mathbb{Z} = b + n\mathbb{Z}\).

InformatikRelationen: von Datenbanken bis zum Sortieren

Relationale Datenbanken heißen so, weil eine Tabelle eine Relation ist – eine Menge von Tupeln. Halbordnungen beschreiben Abhängigkeiten: Welches Modul muss vor welchem gebaut, welches Paket vor welchem installiert werden? Eine topologische Sortierung bringt sie in eine passende Reihenfolge. Sortieralgorithmen wiederum setzen eine Totalordnung voraus – sonst ist „sortiert“ gar nicht definiert.

Äquivalenzrelationen stecken überall, wo gruppiert wird: GROUP BY in SQL, Union-Find-Strukturen, Hashtabellen mit x % n. Restklassen begegnen dir bei Ringpuffern, bei der Uhrzeit und bei Prüfziffern – die IBAN wird mit einer Rechnung modulo \(97\) geprüft.

Wissens-Check

8 Fragen, gemischt. Nach jeder Antwort erfährst du, warum.

Kapitel 4

Abbildungen & Mächtigkeiten

Eine Abbildung ordnet jedem \(x\) genau ein \(f(x)\) zu. Injektiv, surjektiv, bijektiv – und mit Bijektionen lässt sich sogar vergleichen, wie groß unendliche Mengen sind.

IdeeEine Abbildung: zu jedem x genau ein Bild

Eine Abbildung \(f\colon X \to Y\) ist eine Relation zwischen \(X\) und \(Y\), bei der zu jedem \(x \in X\) genau ein \(y\) mit \((x, y) \in f\) existiert – dieses \(y\) heißt \(f(x)\). \(f\) heißt injektiv, wenn aus \(f(x_1) = f(x_2)\) stets \(x_1 = x_2\) folgt; surjektiv, wenn jedes \(y \in Y\) getroffen wird; bijektiv, wenn beides gilt.

Genau die bijektiven Abbildungen haben eine Umkehrabbildung \(f^{-1}\) mit \(f^{-1} \circ f = \mathrm{id}_X\) und \(f \circ f^{-1} = \mathrm{id}_Y\) (Satz 4.8). Bild und Urbild von Teilmengen gibt es dagegen immer: \(f(U) = \{f(x) \mid x \in U\}\) und \(f^{-1}(V) = \{x \in X \mid f(x) \in V\}\).

Zum Anfassen

Das Abbildungs-Labor

Klicke links ein Element aus \(X\) an und dann rechts sein Bild in \(Y\). Ändere die Größe von \(Y\) und beobachte, wann \(f\) injektiv, surjektiv oder bijektiv sein kann – und wann es eine Umkehrabbildung gibt.

IdeeWie viele Elemente? Mächtigkeiten zählen

Eine Menge \(A\) hat \(n\) Elemente, wenn es eine Bijektion \(\{1, \dots, n\} \to A\) gibt. Für endliche Mengen gilt

\(|A \cup B| = |A| + |B| - |A \cap B|\)  ·  \(|A \times B| = |A| \cdot |B|\)  ·  \(|\mathcal{P}(A)| = 2^{|A|}\)  ·  \(\binom{n}{k} = \frac{n!}{k!\,(n-k)!}\)

Für unendliche Mengen heißen \(A\) und \(B\) gleichmächtig, wenn es eine Bijektion \(A \to B\) gibt. \(A\) ist abzählbar unendlich, wenn \(A\) gleichmächtig zu \(\mathbb{N}\) ist, und überabzählbar, wenn \(A\) nicht einmal höchstens abzählbar ist. Überraschend: \(\mathbb{N} \times \mathbb{N}\) ist abzählbar – man zählt diagonal –, und abzählbare Vereinigungen abzählbarer Mengen bleiben abzählbar.

Typischer Fehler\(f^{-1}(V)\) heißt nicht, dass es \(f^{-1}\) gibt

Das Urbild \(f^{-1}(V)\) ist für jede Abbildung definiert, auch ohne Umkehrabbildung. Und Bild und Urbild heben sich im Allgemeinen nicht auf: Es gilt nur \(f(f^{-1}(V)) \subseteq V\) und \(U \subseteq f^{-1}(f(U))\). Gleichheit gibt es erst mit Surjektivität bzw. Injektivität.

MerkeInjektiv, surjektiv, bijektiv – auf einen Blick
  • injektiv \(\Leftrightarrow\) es gibt \(g\) mit \(g \circ f = \mathrm{id}_X\) (für \(X \ne \emptyset\)) – höchstens ein Pfeil pro Ziel.
  • surjektiv \(\Leftrightarrow\) es gibt \(g\) mit \(f \circ g = \mathrm{id}_Y\) – mindestens ein Pfeil pro Ziel.
  • bijektiv \(\Leftrightarrow\) genau ein Pfeil pro Ziel; dann ist \(f^{-1}\) eindeutig, und \((g \circ f)^{-1} = f^{-1} \circ g^{-1}\).
  • Für endliche Mengen mit \(|X| = |Y|\) sind injektiv, surjektiv und bijektiv gleichwertig.
InformatikInjektiv, bijektiv, abzählbar – und was nicht berechenbar ist

Eine verlustfreie Kodierung muss injektiv sein, sonst lassen sich zwei Eingaben nicht mehr unterscheiden; eine umkehrbare Verschlüsselung ist bijektiv. Hashfunktionen bilden riesige Mengen auf wenige Werte ab und können deshalb nie injektiv sein – Kollisionen sind nach dem Schubfachprinzip unvermeidbar.

Und eine der wichtigsten Einsichten der Informatik folgt aus den Mächtigkeiten: Jedes Programm ist eine endliche Zeichenkette, also gibt es nur abzählbar viele Programme. Die Funktionen \(\mathbb{N} \to \{0, 1\}\) sind dagegen überabzählbar. Es muss also Funktionen geben, die kein Programm berechnen kann.

Wissens-Check

8 Fragen, gemischt. Nach jeder Antwort erfährst du, warum.

Weitere Kapitel

Folgt im Semester

Die Reihenfolge der Kapitel richtet sich nach der Vorlesung. Sobald ein Kapitel behandelt wurde, erscheint hier sein Modul: Idee, Skizze zum Anfassen und Wissens-Check – Woche für Woche eines mehr.

Üben & Wiederholen

Locker üben

Ohne Uhr und ohne Punkte: Zufallsaufgaben, die jedes Mal neu entstehen, Karteikarten für die Definitionen und eine Beweis-Werkstatt, in der du Beweise aus ihren Schritten zusammensetzt. Dein Stand bleibt nur in deinem Browser.

Begleitung zur Vorlesung

Zum Skript & zu den Blättern

Eine Lesehilfe zu jedem Abschnitt des Vorlesungsskripts – was wichtig ist, wie die Beweise aufgebaut sind und worauf du achten solltest. Dazu ausführliche Erklärungen zu den Übungsblättern, jeweils nach der Abgabefrist.

Lesehilfe

Durch das Skript

In eigenen Worten, zum Lesen neben dem Skript – kein Ersatz dafür.

Lesehilfe§ 1 Aussagenlogik

Der Paragraph baut von unten auf: erst was eine Aussage ist, dann die fünf Verknüpfungen mit ihren Wahrheitstafeln, schließlich Tautologien und logische Schlüsse. Lies die Tafeln nicht als Tabelle zum Auswendiglernen – jede Zeile ist ein Fall, und die Tafel ist vollständig, weil sie alle Fälle aufzählt.

Die wichtigste Stelle ist die Implikation: Dass \(\phi \Rightarrow \psi\) bei falscher Prämisse wahr ist, wirkt zunächst seltsam, ist aber genau das, was man beim Beweisen braucht. Das Beispiel mit \(x^2 - 8x + 7 = 0\) zeigt, warum „notwendig“ und „hinreichend“ nicht verwechselt werden dürfen – rechne es einmal selbst nach.

Beim Lesen besonders beachten: die Bindungsregeln (\(\neg\) vor \(\wedge\) vor \(\vee\) vor \(\Rightarrow\) vor \(\Leftrightarrow\)) und die vier logischen Schlüsse am Ende. Sie sind die Werkzeuge für alle späteren Beweise.

Lesehilfe§ 2 Mengenlehre und Prädikatenlogik

Hier kommen zwei Dinge zusammen: Mengen und Quantoren. Der rote Faden ist das Aussagenschema \(\phi(x)\) – es beschreibt Teilmengen \(\{c \in M \mid \phi(c)\}\) und steckt hinter \(\forall\) und \(\exists\).

Nimm dir den Beweis der Mengengleichung mit \((xy + 1)z = 0\) vor: Er ist ein Muster dafür, wie man \(M = N\) in zwei Inklusionen zerlegt und jede mit „Sei \(p \in \dots\)“ beginnt. Genau diesen Aufbau erwarten die Übungen.

Beim Lesen besonders beachten: die Negation quantifizierter Aussagen, die Reihenfolge verschachtelter Quantoren (das Beispiel mit \(x < y\)) und die Struktur eines Induktionsbeweises – Induktionsanfang, Induktionsvoraussetzung, Induktionsschritt. Markiere dir im Beweis von Satz 2.4, wo die Induktionsvoraussetzung benutzt wird.

Lesehilfe§ 3 Relationen

Eine Relation ist einfach eine Teilmenge von \(X \times X\). Alles Weitere hängt an vier Eigenschaften (reflexiv, symmetrisch, anti-symmetrisch, transitiv), aus denen zwei Klassen entstehen: Halbordnungen zum Vergleichen und Äquivalenzrelationen zum Zerlegen.

Die Beispiele lohnen sich: Die Teilerrelation ist eine Halbordnung, aber keine Totalordnung – und das Skript zeigt sauber, wie man jede Eigenschaft einzeln nachweist. Beim Inklusions-Beispiel \(\subseteq\) auf \(\mathcal{P}(X)\) lohnt sich der Sonderfall \(|X| \le 1\).

Beim Lesen besonders beachten: Proposition 3.9 (Äquivalenzklassen bilden eine Zerlegung) und ihre Umkehrung 3.10, dann die Restklassen \(a + n\mathbb{Z}\) und warum \(\mathbb{Z}/n\mathbb{Z}\) genau \(n\) Elemente hat. Die Restklassen kommen später bei den algebraischen Strukturen wieder.

Lesehilfe§ 4 Abbildungen und Mächtigkeiten

Eine Abbildung wird hier als spezielle Relation definiert – das ist genauer als „Zuordnungsvorschrift“ und erklärt, warum zu jedem \(x\) genau ein \(f(x)\) gehört. Danach kommen Einschränkung, Komposition, Bild und Urbild.

Satz 4.8 ist der Kern: Injektiv, surjektiv und bijektiv lassen sich über Abbildungen \(g\) mit \(g \circ f = \mathrm{id}\) bzw. \(f \circ g = \mathrm{id}\) beschreiben. Danach wird gezählt – Rechenregeln für Mächtigkeiten und Binomialkoeffizienten, bewiesen mit vollständiger Induktion.

Beim Lesen besonders beachten: Proposition 4.5 (Bild und Urbild heben sich nicht immer auf), die Definition von abzählbar und überabzählbar und die Idee hinter Satz 4.22: \(\mathbb{N} \times \mathbb{N}\) lässt sich diagonal durchnummerieren.

Übungsblätter

Erklärungen zu den Blättern

Ausführliche Erklärungen, Tipps und Tricks zu jedem Blatt – immer erst nach der Abgabefrist, damit die Abgabe eigene Arbeit bleibt.

Tutoriumsblatt 1Ausführlich erklärt im Skript „Blatt 1 erklärt“ (PDF) – dazu die Tafelbilder aus dem Tutorium.
Blatt 1 (Globalübung)Die Erklärungen erscheinen nach der Abgabefrist am 28. Oktober 2026.